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Warum Beziehung wichtiger ist als gute Vorsätze

Veröffentlich
1.1.26
Leonie Ries
Autor

Neues Jahr, neue Vorsätze? Vielleicht ist es Zeit für einen Perspektivwechsel. Warum die Beziehung zu deinem Kind wichtiger ist als Verzicht, Regeln und Perfektion – und wie sie euch beide stärkt.

Neujahr, neue Chancen: Als Familie gemeinsam Wachsen

Jede Woche freue ich mich über die Zahlen. Darüber, dass es so viele Menschen gibt, die meine Impulse lesen oder hören, die sich Zeit nehmen, mitzulesen, zuzuhören, mitzudenken, mitzuspüren. Dass mein Blog wie auch mein Podcast weiter wächst, dass meine Herzensmission sichtbarer wird – das ist alles dir zu verdanken. Danke dafür.

Und damit lass uns ins neue Jahr schauen.

Viele Menschen starten mit klassischen guten Vorsätzen: mehr Sport, gesünder essen, abnehmen, weniger Alkohol, weniger rauchen. Gesundheit steht ganz oben auf der Liste. Und oft ist es so, dass die Motivation die ersten Wochen anhält – und dann langsam nachlässt. Die wenigsten erreichen ihre Ziele langfristig wirklich aus einem reinen Jahresvorsatz heraus.

Warum ist das so?

Häufig liegt der Fokus auf dem, was wir nicht mehr wollen. Auf Defiziten. Auf Dingen, die weg sollen. Wir gehen mit einer eher negativen Haltung in die Veränderung: weg von etwas, statt hin zu etwas. Und genau das macht es uns Menschen schwer, dranzubleiben.

Wie wäre es, wenn wir den Blick verändern?

Wenn wir uns nicht darauf konzentrieren, was wir weglassen wollen, sondern darauf, was wir stärken möchten. Was wir verbessern, vertiefen, wachsen lassen wollen.

Und weil dieser Podcast sich vor allem an Eltern richtet – oder an Menschen, die Kinder begleiten – möchte ich dir einen Vorschlag machen:
Wie wäre es, wenn du im nächsten Jahr den Fokus auf die Beziehung zu deinem Kind legst?

Nicht im Sinne von Regeln, Optimierung oder Erziehungsstrategien, sondern mit der Frage: Was tut meinem Kind gut?
Wie kannst du die Qualität eurer Beziehung vertiefen?

Viele Eltern beschäftigen sich intensiv mit Fragen wie:
Wie viel Medienzeit ist okay?
Wie viele Süßigkeiten sind gesund?

Und natürlich ist es wichtig, hinzuschauen. Aber oft verlieren wir dabei etwas Entscheidendes aus dem Blick: Wir fokussieren uns stark darauf, Schaden zu vermeiden – und viel zu wenig darauf, was wir aktiv fördern können.

Wenn ein Kind eine verlässliche Bezugsperson hat, einen sicheren Hafen, einen Anker, ein echtes Gegenüber, dann relativieren sich viele dieser Themen. Beziehung wiegt schwerer als jede einzelne Regel. Statistiken zeigen Zusammenhänge – aber sie erklären nicht die Ursachen. Ein hoher Medienkonsum ist selten das eigentliche Problem, sondern oft ein Symptom.

Was Kinder – und auch wir Erwachsene – brauchen, sind Beziehungen. Verbindung. Nähe. Menschen, bei denen wir uns sicher fühlen. Das ist ein Grundbedürfnis.

Deshalb lade ich dich ein, dir für das neue Jahr eine Intention zu setzen:
Kümmere dich bewusst um die Beziehung zu deinem Kind.

Warum das so wichtig ist?

Wir sind die ersten Menschen, mit denen unsere Kinder eine enge, tiefe Beziehung eingehen. Diese Erfahrung prägt sie. Sie beeinflusst, wie sie später Beziehungen leben, wie sicher sie sich fühlen, wie sie mit sich selbst und anderen umgehen. Kinder, die sich geliebt, wertvoll und sicher fühlen, können gesunde Beziehungen führen – ohne emotionale Abhängigkeiten, ohne Angst, ohne sich verbiegen zu müssen.

Wenn Beziehung im Mittelpunkt steht, verlieren viele Fragen an Schärfe. Dann geht es nicht mehr darum, jede Regel perfekt zu formulieren oder jedes Wort abzuwägen. Eine stabile Beziehung hält auch Tage aus, an denen wir nicht so reagieren, wie wir es uns wünschen würden. Tage, an denen wir müde sind, genervt, überfordert.

Und ja, dann gehört auch dazu, Verantwortung zu übernehmen. Zu sagen: Das hatte nichts mit dir zu tun, das war mein Thema.
Aber die Beziehung trägt das.

Was kannst du konkret tun?

Der erste Schritt ist Reflexion:
Wie siehst du dein Kind?
Kannst du es annehmen, so wie es ist – mit allem, was es mitbringt, und allem, was es (noch) nicht kann?

Unsere Kinder lernen weniger durch das, was wir sagen, und viel mehr durch das, was wir vorleben. Wenn dir Werte wichtig sind, dann lebe sie. In deinem Alltag. In eurer Familie.

Frag dich auch:
Was wünsche ich mir für unsere Beziehung?
Vielleicht Ehrlichkeit. Vertrauen. Nähe.

Und wenn dein Kind nicht immer ehrlich ist, dann lohnt sich die Frage: Fühlt es sich sicher genug, die Wahrheit zu sagen? Vertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauensvorschuss.

Ein weiterer Punkt ist Zeit – nicht in Minuten gemessen, sondern in Qualität. Es geht nicht darum, täglich ein festes Zeitkontingent abzuleisten. Es geht darum, präsent zu sein. Wirklich da zu sein. Ohne Handy. Ohne gedanklich schon bei der nächsten To-do-Liste zu sein.

Unsere Kinder spüren sehr genau, ob wir anwesend sind – oder nur körperlich da.

Hilfreich können Rituale sein, in denen ihr ins Gespräch kommt. Über den Tag. Über Gefühle. Über das, was schön war, was schwer war, was überrascht hat. Und dabei geht es nicht darum, dein Kind auszufragen. Es geht um echten Austausch. Du erzählst auch von dir. Von dem, was dich bewegt hat. Das ist eine Einladung – kein Interview.

Ein weiterer wichtiger Blickwinkel ist der auf die Stärken deines Kindes. Richtest du deinen Fokus eher auf das, was nicht klappt – oder auf das, was dein Kind mitbringt?

In jeder vermeintlichen Schwäche steckt auch eine Stärke.
Ein Kind, das ständig Dinge vergisst, lässt vielleicht gut los.
Ein Kind, das trödelt, ist möglicherweise achtsam.
Ein verträumtes Kind hat oft eine reiche innere Welt.

Wenn wir beginnen, unser Kind durch diese Brille zu sehen, verändert sich unser Blick – und auch unsere Beziehung.

Und ganz zentral: Liebe ist nicht an Bedingungen geknüpft.
Nicht an Leistung.
Nicht an Entwicklungsschritte.
Nicht an gutes Benehmen.

Dein Kind ist wertvoll, weil es ist. Punkt.
Und das gilt übrigens auch für dich.

Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht immer die richtigen Worte finden. Du musst nicht jede Situation optimal gestalten. Es reicht, da zu sein. Echt. Zugewandt. Bemüht. Das ist genug.

Setz dich nicht unter Druck. Geh Schritt für Schritt. Beziehung ist kein Projekt mit Deadline. Sie wächst in deinem Tempo. Und das ist vollkommen ausreichend.

Am Ende zählen nicht Geschenke, Urlaubsziele oder Hausgrößen. Es zählt das Miteinander. Die Verbindung. Die Wärme.

Ich wünsche dir ein wundervolles Jahr 2025 – mit viel Liebe für dein Kind und für dich selbst. Denn die Beziehung zu dir selbst ist die wichtigste in deinem Leben.

Alles Liebe.

Auch als Video verfügbar

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Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.