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Worauf wartest du als Elternteil? Leonie Ries zeigt, warum Veränderung nicht warten kann und wie mehr Leichtigkeit im Alltag möglich wird.
Kennst du dieses Gefühl, wenn du abends erschöpft im Bett liegst und denkst: „Irgendwie geht es schon, aber so richtig schön ist es auch nicht"? Du wartest vielleicht auf die Ferien, auf eine ruhigere Phase, darauf, dass die Autonomiephase endlich vorbei ist oder dein Kind einfach ein bisschen älter wird. Und gleichzeitig weißt du tief in dir, dass du dir selbst damit etwas vormachst.
Ich habe das auch lange gedacht und möchte nun eine Frage ganz direkt in den Raum stellen: Worauf wartest du eigentlich? Und genau darum geht es heute in diesem Artikel. Denn Veränderung als Elternteil kann nicht warten, und zwar nicht für dich, aber vor allem auch nicht für deine Kinder.
Unser Gehirn liebt das Vertraute. Das ist keine Schwäche, das ist pure Evolutionsbiologie. Was uns bis hierhin hat überleben lassen, kann ja nicht so schlecht sein, oder? Genau deshalb haben wir so viele Schutzstrategien im Kopf, die uns davon abhalten, wirklich in die Veränderung zu gehen.
Wir rationalisieren: „Na ja, eigentlich ist es ja ganz okay." Wir vertrösten uns selbst: „Im nächsten Urlaub tanke ich wieder auf." Wir warten auf die perfekten Umstände, die aber so gut wie nie kommen. Und während wir warten, läuft die Zeit, die wir mit unseren Kindern haben, einfach weiter.
Die Tage sind lang, aber die Jahre sind kurz. Dieser Satz klingt abgedroschen, und trotzdem trifft er ins Mark. Wenn du irgendwann zurückblickst auf die Zeit, in der deine Kinder klein waren, möchtest du dann denken „Es war ja ganz okay"? Oder möchtest du sagen: „Ich war wirklich da. Ich habe es wirklich genossen."
Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment, in dem sich in mir etwas fundamental verschoben hat. Ich war allein zu Hause mit zwei kleinen Kindern, völlig erschöpft, überfordert, hilflos. Irgendwann fing ich einfach an zu weinen. Und dann passierte etwas, das mich bis heute bewegt: Mein Kind fing an, mich zu trösten.
In diesem Augenblick wurde mir klar, dass etwas grundlegend nicht stimmt. Es ist meine Aufgabe, für mein Kind da zu sein, nicht umgekehrt. Und es ist auch meine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass es mir gut geht, dass ich die Kraft, die Energie und die Ressourcen habe, um wirklich präsent zu sein. Nicht als perfekte Mutter, sondern als regulierte, verbundene Bezugsperson.
Das war der Anfang eines langen, aber unglaublich wertvollen Weges. Und rückblickend kann ich nur sagen: Es hat sich mehr als gelohnt.
Du denkst vielleicht, dass du erst Zeit brauchst, Ruhe brauchst, eine bessere Phase abwarten musst. Ich kenne diesen Gedanken sehr gut. Kurz bevor der Lockdown vor einigen Jahren begann, war ich dabei alles zu organisieren: eine Betreuung für mein jüngstes Kind, Zeit für meine Weiterbildung, einen Plan für mich. Und dann waren plötzlich alle zu Hause, rund um die Uhr, zu fünft auf engem Raum.
Statt aufzugeben, habe ich genau in dieser Zeit angefangen, wirklich hinzuschauen. Ich habe mir Unterstützung gesucht und Stück für Stück Zeit und Raum für mich gefunden, in genau der Zeit, in der es eigentlich keine Zeit und keinen Raum gab. Und das war eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens.
Also frage dich ehrlich: Ist es wirklich wahr, dass du gerade keine Zeit hast? Oder ist es vielleicht eher so, dass du die Zeit noch nicht als Priorität für dich selbst anerkannt hast?
Viele Eltern denken: „Wenn mein Kind erst mal größer ist, wird es schon besser." Und ja, manche konkreten Situationen verändern sich tatsächlich mit dem Alter. Aber der Punkt in dir, der getriggert wird, bleibt. Er taucht dann vielleicht woanders auf, beim Spruch der Schwiegermutter, einer Geste des Arbeitskollegen, in einer Situation, die eigentlich gar nichts mit deinem Kind zu tun hat.
Die Dinge im Alltag, die uns stressen, sind selten die eigentliche Ursache des Stresses. Es ist das, was wir schon unser ganzes Leben in uns tragen, vielleicht auch Muster, die wir aus unserer eigenen Kindheit übernommen haben. Wenn du merkst, dass du Sätze sagst, die du selbst als Kind gehört hast, und denkst: „So möchte ich meinem Kind gegenüber gar nicht auftreten", dann ist das ein klares Zeichen.
Eltern, die ich begleite, kommen oft wegen eines konkreten Anliegens: Wutanfälle des Kindes, Machtkämpfe, Schlafprobleme. Und was sie mir am Ende rückmelden, ist fast immer dasselbe: „Das Kind ist noch dasselbe Kind, der Alltag ist noch Alltag. Aber wie es mir damit geht, hat sich komplett verändert."
Wenn dein Nervensystem reguliert ist, wenn du wirklich bei dir bist, dann kannst du Konflikte nicht mehr persönlich nehmen. Du erkennst, dass das Schimpfen deines Kindes nichts mit dir zu tun hat. Du gehst in die nächste Situation neu und frei hinein, ohne die Emotionen der vorherigen mitzuschleppen. Du kannst Co-Regulation anbieten, weil du selbst reguliert bist.
Und du fängst an, die schönen Momente zu sehen, die mitten im Alltag immer schon da waren, die du aber vielleicht gar nicht wahrgenommen hast.
Echte Verbindung zu deinem Kind entsteht nicht durch die richtigen Erziehungstechniken. Sie entsteht, wenn du präsent bist, wenn du nicht im Überlebensmodus steckst, wenn du nicht von jeder kleinen Situation aus der Bahn geworfen wirst. Verbindung vor Gehorsam bedeutet auch, dass du zuerst mit dir selbst in Verbindung sein musst.
Und das ist keine Schwäche. Das ist die mutigste und liebevollste Entscheidung, die du für deine Familie treffen kannst.
Viele von uns schleppen sich von Urlaub zu Urlaub. Wir geben bereitwillig Geld aus für zwei Wochen Leichtigkeit, Erholung und schöne gemeinsame Momente. Aber eigentlich kaufen wir keinen Urlaub, wir kaufen ein Gefühl. Das Gefühl von Entspannung, Freude, Verbindung und Abenteuer.
Die Frage ist: Warum gönnst du dir dieses Gefühl nur für diese kurze Zeit im Jahr? Bei 30 Urlaubstagen auf 365 Tage sind das nicht einmal zehn Prozent Leichtigkeit. Was wäre, wenn du dieses Gefühl auch mitten im Alltag finden könntest? Was würde sich für dich, für deine Kinder, für eure Beziehung verändern?
Dafür brauchst du keine perfekten Umstände. Du brauchst die Bereitschaft, hinzuschauen und anzufangen.
Ich sage nicht, dass Veränderung unmöglich ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Es ist nie zu spät. Aber es kann auch nicht früh genug sein. Besonders wenn deine Kinder noch klein sind, ist es eines der größten Geschenke, das du ihnen machen kannst, wenn du vorlebst, wie es aussieht, an sich zu arbeiten, Muster zu hinterfragen und sich selbst besser zu verstehen.
Denn dadurch kannst du auch dein Kind besser verstehen. Du siehst seine Entwicklung mit anderen Augen. Du bist präsenter in den Momenten, die nicht zurückkommen. Und du hörst auf, Opfer deiner äußeren Umstände zu sein, weil du erkennst, dass du immer beeinflussen kannst, wie du denkst, wie du reagierst und wie du mit dem umgehst, was das Leben dir bringt.
Veränderung als Elternteil beginnt nicht mit dem richtigen Buch, der richtigen Methode oder dem richtigen Zeitpunkt. Sie beginnt mit der Entscheidung, hinzuschauen. Mit der Bereitschaft, dich selbst zu priorisieren, nicht obwohl du Elternteil bist, sondern genau deswegen.
Ein Leben, das "ganz ok" ist, muss nicht sein. Du darfst mehr haben als das. Du darfst Leichtigkeit mitten im Alltag kennen. Du darfst dein Kind mit Verbindung begleiten statt mit Machtkämpfen. Du darfst am Ende des Tages freundlich zu dir selbst sein, auch wenn nicht alles perfekt gelaufen ist.
Das ist keine Utopie. Das ist möglich. Und du musst den Weg nicht alleine gehen.
Wenn dich dieser Artikel innerlich angesprochen hat, wenn etwas in dir sagt „Ja, genau das meine ich", dann ist das kein Zufall. Melde dich gerne für ein kostenfreies Kennenlerngespräch. Wir schauen gemeinsam, was sich für dich verändern kann und wie dein Alltag aufhören kann, sich wie ein Hamsterrad anzufühlen.
Den Link zum Erstgespräch findest du oben auf dieser Seite. Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen.
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