
Ein Blog über den Advent, Perfektionismus und die Frage: Was brauchen Kinder wirklich? Eine persönliche Geschichte und klare Impulse für eine entspannte Adventszeit.
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.
Diese Zeit hat ihren ganz eigenen Zauber. Draußen wird es früher dunkel, drinnen flackern Kerzen. Es glitzert überall, und viele Familien spüren das Gefühl von etwas Besonderem. Gleichzeitig läuft der Alltag weiter: Termine, Haushalt, Arbeit, Müdigkeit, Streitereien, volle Kalender.
Zwischen diesem Zauber und der Realität entsteht oft ein Bild, das wir aus unserer Kindheit oder aus Medien kennen: ein harmonisches, perfekt dekoriertes Zuhause, die Familie lachend beisammen, selbstgebackene Plätzchen auf dem Tisch, selbstgebastelte Adventskalender – alles scheint wie aus einem nostalgischen Traum.
Doch wie realistisch ist dieses Bild?
Beispiel vor einigen Jahren war ich irgendwann einfach mal so, dass ich gar nicht so die Lust hatte, zu dekorieren für die Adventszeit. Ich war ein bisschen müde, das war für mich einfach ein zusätzlicher Punkt auf der To-Do-Liste. Die Kinder waren aber voller Vorfreude.
Im Endeffekt habe ich die Kiste mit der Dekoration hingestellt und die Kinder machen lassen. Die Dekoration war wild verteilt, überhaupt nicht so angeordnet, wie ich sie angeordnet hätte, und wäre wahrscheinlich nicht in irgendeinen Katalog reingekommen.
Aber die Kinder waren so glücklich darüber und haben sich so gefreut. Da ist mir auch bewusst geworden, dass mein Anspruch überhaupt nichts mit dem Anspruch meiner Kinder zu tun hat – und dort auch gar nicht den Raum hat.
In der Adventszeit verdichtet sich Perfektionismus besonders stark: selbstgebackene Plätzchen, selbstgebastelte Adventskalender, Dekoration, Wichtelaktionen, besondere Rituale. Über Social Media bekommen wir ständig Bilder von scheinbar perfekten Familienmomenten gezeigt, die zusätzlichen Druck erzeugen.
Die entscheidende Frage lautet: Was davon ist wirklich dein Wunsch? Was entsteht aus dem Vergleich mit anderen?
Wenn dich dieses Thema interessiert, findest du dazu auch meinen Blogartikel „Perfekte Mutter“, in dem ich noch einmal genauer auf Perfektionismus eingehe.
Kinder erinnern sich nicht daran, ob Plätzchen perfekt gebacken oder die Dekoration genau an ihrem Platz war. Sie erinnern sich an deine Stimmung, an euer Lachen, an die gemeinsamen Momente.
Es geht nicht darum, alles zu schaffen, sondern das Wesentliche zu leben:
Einfachheit kann Wunder wirken: Gekaufte Plätzchen oder ein fertiger Adventskalender können genauso Teil eines schönen Nachmittags sein wie selbstgemachte Dinge.
Die Frage ist nicht: „Was erwartet mein Kind?“
Sondern: „Was kann ich leisten, ohne über meine Grenzen zu gehen?“
Gemeinschaft, Ruhe, Genuss oder Kreativität – alles andere kann reduziert werden.
Plätzchen backen ja – aber vielleicht nur eine Sorte.
Dekorieren ja – aber vielleicht übernehmen die Kinder.
Nicht alles muss selbstgemacht oder perfekt sein.
Ein Adventslied, eine Geschichte, ein Abend ohne Medien – oft sind das die wertvollsten Augenblicke.
Advent entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Nähe, Freude und gemeinsame Momente.
Ein fröhliches Chaos ist oft wertvoller als jede perfekte Fassade.
Muss ich jedes Jahr alles wiederholen, was meine Kinder sich wünschen?
Nein. Wünsche dürfen geweckt werden, aber du triffst die Entscheidung nach deinen Kapazitäten.
Was, wenn mein Kind traurig ist, wenn etwas nicht so ist wie früher?
Traurigkeit ist in Ordnung. Sie nimmt nichts von der Qualität eurer Adventszeit.
Sind gekaufte Plätzchen und ein gekaufter Adventskalender minderwertig?
Nein. Entscheidend ist eure gemeinsame Haltung – nicht der Ursprung des Gegenstands.
Wie finde ich heraus, was für meine Familie passend ist?
Indem du dich fragst: Was stärkt uns wirklich? Und was ist nur äußerer Anspruch?